Wir freuen uns über einen 4. Platz!

Der Freiraum tritt als bewusster Gegenspieler zur orthogonalen Klarheit des Gebäudeensembles auf. Während die Architektur durch Präzision und Kante definiert ist, entfaltet sich die Landschaft als modelliertes, weiches Kontinuum, das den Neubau räumlich fasst und atmosphärisch ergänzt. Gebäude und Freiraum bilden ein spannungsvolles Gleichgewicht aus Struktur und Offenheit.

Zum Grundschulhof im Norden formuliert das Gebäude eine klare Adresse und steht unmittelbar am Hof. Nach Westen wird es von terrassierten Freianlagen umschlossen, die die bestehenden Freiraum- und Baumstrukturen selbstverständlich verbinden. Es entsteht eine lebendige Lern- und Spiellandschaft mit Spielturm und grünem Klassenzimmer als Erweiterung des Unterrichts im Freien.
Der untere Schulhof bildet eine großzügige, zusammenhängende Bewegungsfläche und verbindet das Bestandsgebäude mit dem Neubau auf kürzestem Weg. Eine zentrale Bauminsel mit Balancierspiel setzt einen identitätsstiftenden Akzent und gliedert den Raum, ohne ihn zu fragmentieren. Entlang der Geländekante am Bestandsgebäude entstehen Sitzstufen als kommunikatives Band, als Ort des Aufenthalts, der Beobachtung und des informellen Lernens. Sie werden gemeinsam mit einer bespiel- und gestaltbaren Mauer zum aktiven Bewegungsraum.

Der obere Schulhof ist geprägt vom wertvollen Baumbestand, der konsequent erhalten und integriert wird. Bauminseln strukturieren die Fläche und schaffen eine klare Zonierung: einen Spielhain mit Balancier- und Sitzangeboten, ein multifunktionales Forum als gemeinschaftlicher Mittelpunkt sowie ruhige Rückzugs- und Spielflächen auf dem Plateau an der Bestandsschule, etwa für Tischtennis. Unter den Baumkronen entstehen schattige Aufenthaltsorte mit hoher atmosphärischer Qualität.
Die Anlieferung der Mensa ist funktional klar abgekoppelt und konfliktfrei organisiert. Gleichzeitig aktiviert die Mensa mit ihren Außenbereichen den Hof und erweitert das schulische Leben nach außen. Eine großzügige Freitreppe mit Sitzstufen verbindet die beiden Schulhöfe miteinander. Sie ist nicht nur Erschließung, sondern sozialer Raum – Treffpunkt, Tribüne und Bewegungszone zugleich.
Durch die Verbindung aus robusten Bewegungsflächen, differenzierten Aufenthaltsräumen und großzügigen Grünanteilen entsteht ein nachhaltiger, klimaresilienter Freiraum. Die Integration des Bestands, die Reduzierung versiegelter Flächen und die topografische Modellierung zur Regenwasserführung leisten einen wichtigen ökologischen Beitrag und stärken zugleich die Identität des Ortes. So entsteht ein Schulcampus, in dem Architektur und Landschaft eine selbstverständliche Einheit bilden – klar gefasst und doch offen, strukturiert und zugleich aneignungsfähig. Ein Ort, der Bewegung ermöglicht, Gemeinschaft fördert und Lernen im besten Sinne räumlich erlebbar macht.

 

2025 Realisierungswettbewerb „Erweiterung Grund- und Gemeinschaftsschule Mühlhausen“, Gemeinde Mühlhausen im Kraichgau

 

Architekten: Lehmann Architekten GmbH BDA – DWB Offenburg/Berlin